Zart wie ein Babypopo – Neurodermitis bei Babys und Kleinkindern

By | 1. September 2013

Zart wie ein Babypopo – Neurodermitis bei Babys und Kleinkindern 

Diese ebenso unangenehme wie häufige Hauterkrankung (circa 15 Prozent des Nachwuchses in Europa leiden, meist vorübergehend, daran) zeigt sich bei den Kleinsten vorwiegend im Gesicht und am Kopf, auch Brust, Bauch, und die Extremitäten (Außenseiten) können betroffen sein. Als „Milchschorf“ werden die juckenden Verkrustungen, die – daher der Name – Ähnlichkeit mit verbrannter Milch haben, gemeinhin bezeichnet. Die Vermutung, eine Milchallergie/Laktoseintoleranz könnte als Ursache in Frage kommen, ist falsch. „Milchschorf“ hört sich harmlos an – und das ist er in gewisser Hinsicht auch; die gute Nachricht lautet: Bis zum Erreichen des Schulalters heilt die Krankheit in 60 Prozent der Fälle komplett und von alleine ab!  Was Eltern wissen und bis dahin tun sollten – damit wollen wir uns heute befassen. 

Symptome 

Neben dem oben erwähnten Schorf (gelblich-weiße Krusten) der sich entzünden und nässen kann, schuppigen, teils geröteten, trockenen Hautstellen ist Baby öfters unruhig, weint viel, schläft häufig schlecht und kratzt sich. 

Ursachen 

Eine erbliche Anlage zur Überreaktion auf bestimmte Stoffe wird als „Atopie“ bezeichnet. Sie äußert sich in unterschiedlichen Formen wie Asthma, Heuschnupfen, Bindehautentzündung oder eben Neurodermitis.
Für Atopien wie Allergien besteht also eine genetische Disposition, sie treten bevorzugt in bestimmten Familien auf; sind die Eltern (oder auch nur ein Elternteil) betroffen, besteht für deren Kinder ein erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken. Doch eine solche Veranlagung führt keineswegs zwingend zu Neurodermitis und Co. – es ist eher das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, eine undurchsichtige Melange aus Vererbung, Veränderungen des Immunsystems und Umwelteinflüssen. „Mutierte“ Umweltbedingungen wirken sich offensichtlich negativ aus, in jüngerer Zeit steigt die Anzahl der Neurodermitis-Kranken kontinuierlich. 

Verlauf 

Die meisten Neurodermitiker (ungefähr 80 Prozent) erkranken während des ersten Lebensjahres, und die Chancen stehen gut, dass sich bereits vor dem zweiten Geburtstag die unangenehme Angelegenheit erledigt hat.
Andernfalls geht die Neurodermitis in eine trockenere Form über. Der Ausschlag hält sich im Kindesalter eher fern von Gesicht und Kopf, er bevorzugt nun die Ellenbeugen und Kniekehlen. Der Juckreiz nimmt dort zu, es besteht die Gefahr, dass sich das Kind sogar blutig kratzt und die betroffenen Bereiche vereitern.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen tritt das Ekzem sowohl an Knien und Ellenbogen, als auch im Gesichts- und Halsbereich auf. Es kann zur Bildung von „Prurigotknötchen“, stark juckenden Hautverdickungen, kommen. Die Erkrankung verläuft schubweise, akute Phasen wechseln chronische, nahezu beschwerdefreie, ab.
Nur drei Prozent derer, die als Kinder an Neurodermitis/Milchschorf gelitten haben, nehmen diese Atopie mit in das Leben nach Dreißig. 

Vorbeugen 

Auf Nikotingenuss während der Schwangerschaft und im Beisein des Nachwuchses unbedingt verzichten; Passivrauchen und Stress begünstigen die Entstehung von Neurodermitis. 

Stillen: Wenn möglich, den Säugling vier Monate lang voll stillen, oder alternativ (im Falle einer familiären Atopie-Neigung) allergen-arme Flaschennahrung (aus der Apotheke) verwenden. 

Kontakt mit Wolle, Hausstaub (Milben) und Tierhaaren/-federn meiden (die Entstehung der Ekzeme kann dadurch begünstigt werden). 

Für ausreichende Luftfeuchtigkeit (Schlafraum) sorgen. 

Die Reinigung der Babyhaut sollte mit klarem Wasser oder mit „Syndets“ erfolgen, die einen leicht sauren PH-Wert haben. 

Therapie 

Ist der Milchschorf schwach ausgeprägt, kann es ausreichen, die beschriebenen prophylaktischen Maßnahmen weiterzuführen. Das Baby unbedingt daran hindern, sich zu kratzen (dünne Baumwollhandschuhe/Fäustlinge anziehen). Pflegende, rückfettende Cremes/Salben mit Glycerin/und oder Harnstoff (je nach Verträglichkeit) leisten gute Dienste, auch Zinkpräparate, Ölbäder oder fettig-feuchte Wickel bewirken während der akuten Phase eine Reduzierung des Juckreizes und verschaffen somit Linderung. Für die feucht-fettigen Umschläge trägt man auf die betroffenen Stellen erst eine fetthaltige Creme auf, danach wird ein in lauwarmem Schwarztee getränkter Wickel angelegt. Klingen die Hautveränderungen mithilfe der Basispflege nicht ab, kann eine medikamentöse Behandlung angezeigt sein. Perfekt wäre freilich, wenn der Kinderarzt zusätzlich über eine allergologische Ausbildung verfügt. Auch die Konsultation eines Dermatologen (Hautarztes) kann sinnvoll sein. 

Und – ganz wichtig: Haben Sie Geduld! 

Die Heilungsaussichten bei der atopischen Dermatitis sind gut, selbst wenn die Neigung zu leichten Ekzemen bis ins Jugendalter bestehen bleibt – mit der richtigen Behandlung und Handhabung leben Kinder relativ unbeschwert. Für weitere Fragen stehen wir Ihnen hier in Ihrer Apotheke selbstverständlich zur Verfügung.

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